Warum steigen die Gesundheitskosten?

Verschiedene Faktoren haben Einfluss auf den Anstieg der Gesundheitskosten. Und: Es gibt nicht die EINE, und schon gar keine einfache Lösung, wie dieser Kostenanstieg gebremst werden kann. Darum sind alle Akteure aufgerufen, ihren Beitrag zu leisten: die Leistungserbringer wie Ärzte, Spitäler, Apotheken und Therapeuten, die Behörden, die Krankenversicherer, die Pharmaindustrie und schliesslich auch die Versicherten respektive die Patienten, welche die Leistungen in Anspruch nehmen.

Höhere Kosten in den letzten Lebensjahren

Nicht zuletzt dank der hervorragenden medizinischen Versorgung werden die Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz immer älter. Den hohen Gesundheitskosten steht also auch ein hoher Nutzen gegenüber. Zudem werden wir nicht nur immer älter, sondern bleiben dabei auch immer länger gesund.

Ein Grossteil der Gesundheitskosten eines Versicherten fällt im letzten Lebensjahr an. Dies gilt unabhängig vom Alter, so dass die Aussage relativiert werden muss, wonach eine höhere Lebenserwartung linear zu höheren Gesundheitskosten führt.

Auch das Bevölkerungswachstum ist ein wesentlicher Faktor in Bezug auf den Kostenanstieg.
 

Quelle: Bundesamt für Statistik; Credit Suisse Monitor Schweiz „Gesundheitswesen: Wachstumsmarkt unter Kostendruck“, März 2017

Medizinischer und technologischer Fortschritt

Der Fortschritt dank neuer Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten ist erfreulich und kann längerfristig sogar Kosten sparen – beispielsweise dann, wenn eine Krankheit dank einer frühen Diagnose erfolgreich behandelt werden kann. Dies ist aber nicht immer der Fall. Oft führen neue Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten zu einem Kostenanstieg, da sie von den Leistungserbringern vermehrt eingesetzt oder von den Patienten vermehrt nachgefragt werden, selbst wenn der Nutzen nicht immer eindeutig belegt ist. Dadurch besteht das Risiko einer unnötigen Mengenausweitung von medizinischen Leistungen, gemäss der Logik: Was angeboten wird, wird auch konsumiert. Diese steigende Inanspruchnahme von Leistungen schlägt sich wiederum direkt in höheren Kosten nieder. Damit diese Mengenausweitung finanziert werden kann, braucht es viele Prämienzahler, die ihrerseits keine Leistungen beanspruchen.

In den vergangenen Jahren sind beispielsweise Operationen zum Einsatz von Hüftgelenks- und Kniegelenksprothesen deutlich gestiegen. Auch teure Behandlungen wie die Chemotherapie oder eine Nierentransplantation und neue, teure Medikamente tragen zum Anstieg der Gesundheitskosten bei.

Uneingeschränkter und schneller Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen

In der Schweiz haben alle Einwohnerinnen und Einwohner über die obligatorische Grundversicherung uneingeschränkt und schnell Zugang zu fast sämtlichen Gesundheitsdienstleistungen, unabhängig von ihrer gesundheitlichen und finanziellen Situation. Der rasche Zugang wird durch ein breites Angebot an professionellen Gesundheitsleistungen möglich gemacht. Es gibt aber auch eine Kehrseite: Das dichte Angebot führt zu einer gesteigerten und unkoordinierten Nachfrage.

Abhilfe kann hier eine Steuerung schaffen, etwa durch Hausarzt-, Apotheken-, HMO- oder Telmed-Modelle, die bei gesundheitlichen Fragen oft einen günstigeren Erstkontakt bieten als wenn ein Versicherter die Notfallaufnahme eines Spitals oder direkt einen Spezialisten aufsucht.

Geringe Effizienz

In der Schweiz herrscht eine grosse Dichte an Spitälern, Ärzten, Pflegekräften, Apotheken, Therapeuten, etc. und an medizinischen Geräten. Ein Beispiel für Letzteres ist die Anzahl Magnetresonanztomographen (MRT). Ein solches Gerät kostet in der Anschaffung zwischen CHF 700’000 und 2,5 Mio. Dazu kommen Unterhalt und Betrieb. Mit rund 22 MRT pro Million Einwohner belegt die Schweiz Rang drei unter allen OECD-Staaten. Ein weiteres Beispiel betrifft die Da-Vinci-Operationsroboter. Mit vier solcher Geräte in Basel-Stadt und Baselland weist die Spitalregion Basel die weltweit höchste Pro-Kopf-Dichte auf. Gleichzeitig ist aber die Auslastung dieser Geräte im internationalen Vergleich niedrig. Das bedeutet, dass die vorhandenen Mittel wenig effizient eingesetzt werden.


Quellen: Credit Suisse Monitor Schweiz „Gesundheitswesen: Wachstumsmarkt unter Kostendruck“, März 2017; Bundesamt für Statistik; Basler Zeitung, 9. Oktober 2017

Unnötige und vermeidbare Behandlungen

Je öfter wir zum Arzt gehen, Medikamente beziehen oder andere Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen, desto mehr steigen die Kosten – und damit auch die Prämien. Darum gilt es, unnötige Behandlungen von vornherein zu vermeiden. Sie sind nicht nur teuer, sondern können auch ein Gesundheitsrisiko darstellen, etwa wenn es sich um unnötige operative Eingriffe handelt. Leider fördern die bestehenden Anreize im Gesundheitswesen die Mengenausweitung und nicht die Qualität der Behandlungen. Laut einer Studie des Bundesamts für Gesundheit (BAG) werden Privatpatienten im Vergleich zu Grundversicherten häufiger operiert, ohne dass eine medizinische Notwendigkeit für diese Mehrbehandlung erkennbar ist. So werden sie doppelt so oft am Knie operiert, 1,5-mal so oft an der Wirbelsäule und 1,3-mal so oft erhalten sie ein künstliches Hüftgelenk. Die Mehrbehandlung kann unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass die Spitäler und Ärzte für Zusatzversicherte in der Regel eine höhere Vergütung erhalten und daher bei diesen Patienten bestimmte Eingriffe tatsächlich häufiger durchführen. Oft kann es darum sinnvoll sein, vor einer geplanten Operation eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen. Sympany berät Sie gerne.

Finanzielle Fehlanreize

Fehlanreize existieren sowohl auf Seiten der Leistungserbringer als auch bei den Versicherten.

Bei einem stationären Spitalaufenthalt eines Patienten bezahlt der Kanton 55% und der Krankenversicherer 45% der Kosten. Eine ambulante Behandlung geht hingegen zu 100% zu Lasten der Krankenversicherer. Dieses Prinzip führt zu Fehlanreizen und steht der von vielen Akteuren geforderten Verlagerung hin zu mehr ambulanten Behandlungen im Weg. Darum setzen sich die Krankenversicherer, aber auch Ärzte, Spitäler, die Pharmabranche und diverse Organisationen für eine einheitliche Finanzierung von stationären und ambulanten Leistungen ein.

Patienten müssen nur einen verhältnismässig geringen Teil ihrer bezogenen medizinischen Leistungen selber bezahlen, in Form von Prämien, Franchise und Selbstbehalt. Der Grossteil dieser Kosten wird hingegen durch das Versichertenkollektiv – also alle Prämienzahler – und im Falle von stationären Spitalbehandlungen durch die Kantone – also über die Steuerzahler – finanziert. Dadurch können Fehlanreize für Versicherte entstehen, mehr oder sogar unnötige Leistungen in Anspruch zu nehmen, nachdem Franchise und Selbstbehalt aufgebraucht sind.

Wichtig ist deshalb, dass Versicherte die Möglichkeit haben, mehr Eigenverantwortung für kostenbewusstes Verhalten zu übernehmen –  beispielsweise in Form von höheren Franchisen und Selbstbehalten –, um damit auch ihre eigenen Versicherungsprämien zu senken.

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