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Therapietreue (Adhärenz)

Warum sie so wichtig ist und wie sie im Alltag gelingt

Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmässig? Für ein paar Tage ist das meist einfach. Doch bei einer langfristigen Therapie wird es oft schwierig. Genau dann sprechen wir von Therapietreue. Als Ihre Krankenkasse unterstützen wir Sie dabei, gesund zu bleiben – auch im Alltag. Hier erfahren Sie, warum Therapietreue wichtig ist, was passieren kann, wenn sie nachlässt, und wie Sie sie mit einfachen Tipps bestmöglich fördern.

Was bedeuten Therapietreue und Adhärenz?

In der Medizin wird für die Therapietreue der Begriff «Adhärenz» verwendet (Deutsch: etwa «Festhalten» oder «Beteiligung», also: Wie gut hält sich eine Person an die gemeinsam mit dem Arzt oder der Ärztin vereinbarten Ziele und Pläne für die Behandlung?) Das bedeutet konkret: Nehmen Sie Ihre Medikamente zur richtigen Zeit ein? In der richtigen Menge? Halten Sie sich an empfohlene Veränderungen in Ihrem Lebensstil, wie etwa eine bestimmte Ernährung oder mehr Bewegung? All das gehört zur Therapietreue.

Adhärenz beruht auf Teamwork. Arzt und Patient entscheiden gemeinsam, welcher Weg am besten zum Leben, zu den Wünschen und zu den Möglichkeiten des Patienten passt. Wenn Sie verstehen, warum ein Medikament wichtig ist, und wenn die Einnahme gut in Ihren persönlichen Alltag passt, ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass Sie «dranbleiben». 

Warum fällt es uns so schwer, dranzubleiben?

Gründe für Non-Adhärenz

Studien zeigen, dass gerade bei chronischen Erkrankungen nach etwa einem Jahr nur noch etwa 50% der Patientinnen und Patienten ihre Medikamente genau so einnehmen wie verordnet. Die Gründe für mangelnde Therapietreue sind sehr menschlich, zum Beispiel:

Im hektischen Alltag kann die regelmässige Einnahme in Vergessenheit geraten, gerade bei Älteren oder bei Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Schwierig wird es insbesondere, wenn man mehrere Medikamente zu verschiedenen Uhrzeiten einnehmen muss – manche nüchtern, andere zum Essen. Je komplizierter der Plan, desto geringer ist die Therapietreue.

Viele chronische Krankheiten wie Bluthochdruck, zu hohen Cholesterinwerten oder Osteoporose (Knochenschwund) spürt man oft über Jahre hinweg überhaupt nicht. Vielleicht fragen Sie sich: «Warum soll ich Chemie schlucken, wenn es mir doch eigentlich gut geht?»

Wenn ein Medikament zwar langfristig das Herz schützt, aber kurzfristig müde macht oder für leichte Übelkeit sorgt, brechen viele Menschen die Behandlung ab. Manchmal reicht es auch schon, den Beipackzettel zu lesen: Die lange Liste der möglichen, wenn auch seltenen Nebenwirkungen kann verunsichern. Aus Angst vor diesen Folgen wird das Medikament dann einfach weggelassen oder die Dosis heimlich halbiert.

Grosse Kapseln, geschmacklich unangenehme Säfte oder aufwendige Applikationsformen halten viele Menschen von der regelmässigen Einnahme ab.

Manchmal war in der Arztpraxis nicht genug Zeit, um alles genau zu erklären. Wenn Sie nicht wirklich verstanden haben, was genau das Medikament in Ihrem Körper macht und warum es so wichtig ist, fehlt Ihnen die innere Überzeugung. Eine unklare Kommunikation zwischen Ihnen und der behandelnden Person ist einer der grössten Stolpersteine für eine gute Adhärenz.

Wenn man viele oder teure Medikamente nehmen muss, geht das ganz schön ins Geld. Das ist bei vielen Menschen knapp und es wird an allen Stellen gespart. Bitte sparen Sie nicht bei Ihrer Gesundheit! Die Folgen können Sie noch teurer zu stehen kommen, finanziell wie gesundheitlich.

Die Folgen, oder: Warum ist Therapietreue so wichtig?

Mangelhafte Adhärenz hat weitreichende Konsequenzen – in erster Linie für Ihre eigene Gesundheit, aber auch für das gesamte Schweizer Gesundheitssystem.

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Auswirkungen auf Ihre persönliche Gesundheit

Wenn Sie Ihre Medikamente unregelmässig, in der falschen Menge oder gar nicht einnehmen, kann die Therapie nicht wirken. Bei chronischen Erkrankungen bedeutet das oft, dass sich der Zustand schleichend oder akut verschlechtert. Ein Beispiel: Wer bei einem dauerhaft zu hohen Blutdruck seine Medikamente absetzt, riskiert, dass die Blutgefässe mit der Zeit geschädigt werden. Die Folgen können im schlimmsten Fall ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall sein. Ein hoher Preis für eine vergessene Tablette.

Zudem kommt es bei mangelnder Therapietreue oft vor, dass der Arzt bei der nächsten Kontrolle denkt, das Medikament sei zu schwach, und Ihnen eine noch stärkere Dosis verschreibt. Dabei hätte das ursprüngliche Medikament völlig ausgereicht, wenn es regelmässig eingenommen worden wäre.

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Die Kosten für das Schweizer Gesundheitssystem

Fehlende Therapietreue ist auch ein enormes finanzielles Problem. Wenn Behandlungen nicht den gewünschten Erfolg bringen, weil die Medikamente nicht richtig angewendet werden, führt das zu vielen unnötigen Folgekosten.

Sie müssen möglicherweise zusätzliche Arzttermine wahrnehmen, neue Tests durchführen lassen oder im schlimmsten Fall ins Spital. Diese Kosten wären vermeidbar. Und sie betreffen nicht nur Ihr eigenes Portemonnaie: In der Schweiz entstehen durch mangelnde Adhärenz jedes Jahr Kosten in Milliardenhöhe. Diese hohen Gesundheitskosten spüren am Ende wir alle – durch steigende Krankenkassenprämien.

Gemeinsam zum Ziel: Wie Patient und Arzt ein Team werden

Wie können wir das Problem der Non-Adhärenz nun lösen? Die Antwort liegt in einer modernen Partnerschaft zwischen Ihnen und Ihrer medizinischen Fachperson (gemeinsame Entscheidungsfindung). Sprechen Sie in der Sprechstunde ganz offen über Ihre Wünsche und Sorgen. Wenn Ihr Arzt oder Ihre Ärztin Ihnen ein Medikament vorschlägt, sollten Sie folgende Fragen gemeinsam klären:

  • Was genau bewirkt dieses Medikament?
  • Gibt es Alternativen, die sich leichter in meinen Alltag einbauen lassen?
  • Was passiert, wenn ich das Medikament nicht nehme?
  • Mit welchen Nebenwirkungen muss ich rechnen und was kann ich dagegen tun?

Trauen Sie sich, ehrlich zu sein. Ein Plan, den Sie mitgestaltet haben, lässt sich im Alltag viel leichter durchhalten.

Praktische Tipps: So verbessern Sie Ihre Therapietreue im Alltag

Es gibt viele bewährte und sehr einfache Massnahmen, die Sie bei der Einnahme Ihrer Medikamente unterstützen. Hier sind die besten Tipps, um Ihre persönliche Adhärenz zu steigern:

Die Medikation vereinfachen (lassen)

Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt nach einer Vereinfachung Ihres Medikamentenplans. Bei vielen Krankheiten gibt es mittlerweile sogenannte Kombinationspräparate. Das bedeutet, dass zwei oder sogar drei verschiedene Wirkstoffe in einer einzigen Tablette zusammengefasst sind. Aus drei Pillen wird so eine einzige. Auch Medikamente, die nur noch einmal am Tag statt dreimal eingenommen werden müssen, erleichtern die Therapietreue enorm.

Medikamente an feste Gewohnheiten koppeln

Menschen sind Gewohnheitstiere. Verbinden Sie die Einnahme Ihrer Medikamente mit Dingen, die Sie ohnehin jeden Tag zur gleichen Zeit tun. Legen Sie die Schachtel neben Ihre Kaffeemaschine oder platzieren Sie die Tabletten neben Ihrer Zahnbürste. Wenn die Handlung «Zähneputzen» untrennbar mit der Handlung «Tablette nehmen» verknüpft wird, müssen Sie irgendwann nicht mehr bewusst daran denken.

Wochendosierer (Dosett) nutzen

Ein extrem effektiver Helfer ist die Medikamentenbox, auch Dosett genannt. Diese Boxen haben kleine Fächer für jeden Wochentag, oft noch unterteilt in Morgen, Mittag, Abend und Nacht. Nehmen Sie sich einmal in der Woche zehn Minuten Zeit, um alle Tabletten für die kommende Woche richtig einzusortieren. Der Vorteil: Sie sehen auf einen Blick, ob Sie die Pille für den Dienstagmorgen schon genommen haben oder nicht. Das verhindert nicht nur das Vergessen, sondern schützt auch vor einer versehentlichen doppelten Einnahme.

Tipp: Fragen Sie Ihre Apotheke, ob sie Ihnen Ihre Medikamente in einem Blister zusammenstellen kann. So können Sie jede Woche genau die Ration Tabletten abholen, die Sie benötigen – eingeteilt nach Tag und Tageszeit.

Digitale Helfer und Erinnerungen

Wir haben unser Smartphone heutzutage fast immer bei uns. Nutzen Sie es als Erinnerungshilfe! Sie können sich ganz einfach einen täglichen Wecker auf dem Handy stellen. Noch besser sind spezielle Gesundheits-Apps für Ihr Smartphone. Es gibt unzählige kostenlose Apps, in die Sie Ihren persönlichen Medikamentenplan eintragen können. Die App schickt Ihnen eine Benachrichtigung auf den Bildschirm, wenn es Zeit für die Einnahme ist. Alternativ hilft auch ein klassischer Wecker auf dem Küchentisch oder ein Klebezettel am Badezimmerspiegel.

Sparmöglichkeiten prüfen

Generika einnehmen: Für viele Originalpräparate gibt es günstigere Generika. Sie enthalten denselben Wirkstoff und dieselbe Zusammensetzung wie das Original. Der Preis ist aber tiefer, weil der Patentschutz des Originals abgelaufen ist. Ausserdem bezahlen Sie eine tiefere Kostenbeteiligung. Mehr Infos über Generika ›

Doppelmedikation vermeiden: Lassen Sie Ihre gesamte Medikation von Ihrer Apotheke überprüfen («Sicherheitscheck Patient»). Häufig nehmen Menschen unbewusst denselben Wirkstoff zweimal ein, zum Beispiel weil das Generikum und das Originalpräparat unterschiedliche Namen haben oder weil ein Wirkstoff wie z.B. Paracetamol sowohl einzeln als auch in einem Grippemittel enthalten ist. Durch Doppelmedikation riskiert man Nebenwirkungen, die weitere Arztbesuche und damit Kosten verursachen können – ganz abgesehen von der Gefahr für die Gesundheit.

Weitere Sparmöglichkeiten ›

Fazit: Ihre Gesundheit liegt auch in Ihren Händen

Therapietreue ist weit mehr als nur das pünktliche Schlucken einer Pille. Sie ist ein entscheidender Baustein für Ihr langfristiges Wohlbefinden. Besonders bei chronischen Erkrankungen ist es wichtig, dass Sie am Ball bleiben – auch dann, wenn Sie sich eigentlich gesund fühlen.

Scheuen Sie sich nicht, in der Arztpraxis Fragen zu stellen und Bedenken zu äussern. Nutzen Sie kleine Hilfsmittel wie Apps oder Wochendosierer, um den Alltag zu erleichtern. Jeder Schritt, der Ihnen hilft, Ihre Medikamente regelmässiger einzunehmen, ist ein wertvoller Schritt in eine gesündere Zukunft. Als Ihre Krankenkasse stehen wir Ihnen dabei stets zur Seite.

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